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Archivkästen zum Projekt "Westfälisches Wörterbuch"

Westfälisches Wörterbuch

Das Westfälische Wörterbuch (WWB) ist ein großlandschaftliches Dialektwörterbuch, das den niederdeutschen Wortschatz Westfalens detailliert dokumentiert.

Bearbeitungsgebiet und Aufbau

Bearbeitungsgebiet

Das Bearbeitungsgebiet des Westfälischen Wörterbuchs umfasst ab Band 2 das Gebiet Westfalens ohne das Siegerland, das zum mitteldeutschen Mundartgebiet gehört, allerdings mit dem niederdeutschsprachigen Gebiet des hessischen Landkreises Waldeck-Frankenberg.

Es erstreckt sich somit im Süden bis zur "Lautverschiebungsgrenze", im Osten und Norden bis zur niedersächsischen Landesgrenze, im Nordwesten bis an die Staatsgrenze zu den Niederlanden und schließlich im Westen bis zum Rheinland. Das WWB ist also ein Wörterbuch der niederdeutschen Mundarten in Westfalen-Lippe und Hessen.

Aufbau

Dem Westfälischen Wörterbuch liegt ein historischer Stichwortansatz zugrunde, das heißt als Stichwort (Lemma) wurde die Form angesetzt, auf die sich alle mundartlichen Belege zurückführen lassen.

Diese abstrakten Lemmata sind innerhalb des Wörterbuchs nestalphabetisch angeordnet, das heißt (Partikel-)Komposita und Ableitungen finden sich unter dem zugehörigen Hauptstichwort (Bsp.: af-hauen unter hauen).

Innerhalb des Artikels folgt auf  die Angabe zur grammatischen Kategorie und zur Verbreitung der Bedeutungsteil, in dem sich unter der jeweiligen Bedeutung sowohl Satzbeispiele als auch Redensarten und Sprichwörter finden lassen. Es folgen der Lautteil und etymologische Informationen sowie Verweise auf andere Wörterbücher.

Geschichte

Bereits im 1. Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde die Arbeit am Westfälischen Wörterbuch aufgenommen. Damals noch an die Historische Kommission für die Provinz Westfalen angebunden, wurde in den folgenden Jahren vor allem die Sammlung mundartlichen Materials vorangetrieben. In diesem Zusammenhang ist besonders die Arbeit von Theodor Baader zu erwähnen, der 1922 eine umfangreiche Fragebögenerhebung durchführte.

Nach seiner Berufung als ordentlicher Professor nach Nimwegen und dem damit verbundenen Verlust eines Großteils des Materials für den Standort Münster, kann das Jahr 1927 - auch durch die Arbeit von Erich Nörrenberg - als Neuanfang des Westfälischen Wörterbuchs bezeichnet werden. Erneut unterbrochen durch die historischen Ereignisse in Deutschland konnte erst 1947 ein zweiter Mitarbeiter die Arbeiten am Projekt vorantreiben. Felix Wortmann machte es sich zur Aufgabe, das gesamte Zettelmaterial im Hinblick auf die spätere Anlage der Artikel durchzuordnen.

1969 erschien zunächst der Beiband, in dem sich neben Angaben zu Aufbau und Konzeption des Wörterbuchs auch eine umfangreiche Lauttabelle findet. In dieser wird versucht, mundartliche Laute aus ca. 700 Orten auf ihren Ursprungslaut zurückzuführen, mit dem Zweck, die einzelnen Artikel des Wörterbuchs zu entlasten.

Bis 1991 sind von den Bearbeitern des 1. Bandes (Felix Wortmann, Paul Teepe, Hermann Niebaum und Hans Taubken) neun Lieferungen vorgelegt worden. Die Lieferungen 10 bis 12 besorgte Hermann Niebaum im Anschluss an seine Pensionierung. 2015 konnte er den ersten Band (A–C) abschließen.

Da ab Anfang der 1990er Jahre nur noch Robert Damme als Bearbeiter zur Verfügung stand, wurde 1994 für die restlichen Bände eine Neukonzeption beschlossen, die eine Beschleunigung des Publikationstempos bewirken sollte. Diese sieht u. a. eine Beschränkung auf insgesamt fünf Bände, eine Verkleinerung des Bearbeitungsgebietes und eine Vereinfachung der Verbreitungsangaben vor. Der erste nach diesem Konzept erstellte Band war Band 2 (D–G), den Damme im Jahr 2011 abschließen konnte.

Im Anschluss daran fasste er den ambitionierten Plan, das Wörterbuch bis zu seinem Renteneintritt abzuschließen. Zu diesem Zweck optimierte er die bisherigen Arbeitsabläufe und setzte dabei vor allem auf das Delegieren zeitaufwändiger Vorarbeiten an gut qualifizierte und in ihrer Arbeit stets begleitete VolontärInnen. Der Plan ging auf: Mit nur geringer Modifikation des Konzepts von 1994 erschienen 2015 der dritte Band (H–L), 2018 der vierte Band (M–Sk) und 2021 der fünfte Band (Sl–Y).

Archiv

Die Basis für die Arbeit am Westfälischen Wörterbuch bildet das umfassende Zettelarchiv, das in über 500 Kästen mit jeweils bis zu 3.000 Zetteln ungefähr 5 Mio. Belege vereint.

Mit dem Verschicken des ersten Fragebogens im Jahr 1922 durch Theodor Baader begann die erste große Datenerhebung für das Westfälische Wörterbucharchiv. Nach seinem Weggang konnte erst 1927 durch einen Aufruf Erich Nörrenbergs ein erneuter Aufbau des Archivs beginnen.

Die umfangreiche Sammlung lautschriftlicher Belege, die von früheren Bearbeitern des Wörterbuchs (vor allem Erich Nörrenberg und Felix Wortmann) durch die persönliche Befragung zahlreicher Gewährspersonen erhoben worden waren, wird ergänzt durch das  indirekt erhobene Material. Zusätzlich zu den eigenen 23 Fragebögen sowie einzelnen Abfragen zum Spezialwortschatz (u.a. Handwerk und Pflanzen) wurden der Niederdeutsche Wortatlas (NWA) und der Deutsche Wortatlas (DWA) sowie die (in den 1960er Jahren zurückkehrenden) Fragebögen von Baader für das WWB ausgewertet.

Den Grundstock des Archivs bilden jedoch die direkt erhobenen lautschriftlichen Belege, welche durch veröffentlichte (z.B. das "Westmünsterländische Wörterbuch" von Elling/Piirainen oder das "Wörterbuch der Soester Börde" von Schmoeckel/Blesken) und unveröffentlichte Wörtersammlungen (z.B. aus Dortmund-Wellinghofen oder Ahaus-Stadtlohn) zum Westfälischen komplettiert werden. Belege aus mundartlicher Literatur finden sich lediglich vereinzelt, da sie in den seltensten Fällen einem Ort exakt zugeordnet werden können.

Bibliographische Angaben

Westfälisches Wörterbuch

Herausgegeben von der Kommission für Mundart- und Namenforschung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Kiel/Hamburg: Wachholtz Verlag – Murmann Publishers. ISBN 978-3-529-04610-0

Beiband. Einführung – Abkürzungen – Anlage der Artikel – Lauttabelle – Übersichtskarten, bearbeitet von Felix Wortmann. 1969. 127 S. 3 Karten.

Band I: A-C, bearbeitet von Hermann Niebaum, Hans Taubken, Paul Teepe, Felix Wortmann. 2015. 1648 Sp.

Band II: D-G, bearbeitet von Robert Damme. 2011. 1328 Sp.

Band III: H-L, bearbeitet von Robert Damme. 2015. 1394 Sp.

Band IV: M-Sk, bearbeitet von Robert Damme. 2018. 1460 Sp. € 108,--

Band V: Sl-Y, bearbeitet von Robert Damme. 2021. 1456 Sp. € 108,--

Kolloquium Oktober 2021

„Großlandschaftliche Dialektwörterbücher zwischen Linguistik und Landeskunde“

Im Jahr 1927 ist das Archiv des Westfälischen Wörterbuchs gegründet worden. Nun, fast 100 Jahre später, ist das Westfälische Wörterbuch mit dem fünften Band abgeschlossen worden. Dies nimmt die Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens zum Anlass, ein Kolloquium zu dem Wörterbuchtypus „großlandschaftliches Dialektwörterbuch“ zu veranstalten. Das Thema lautet: „Großlandschaftliche Dialektwörterbücher zwischen Linguistik und Landeskunde“.

Das Kolloquium wird am 28. und 29. Oktober 2021 in Münster stattfinden.

Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Sie können sich per E-Mail für die Veranstaltung anmelden: mundart-kommission@lwl.org

Der Einlass erfolgt nach der 3G-Regel. Alle Teilnehmer:innen benötigen entweder einen Impfnachweis, einen Genesenennachweis oder einen tagesaktuellen negativen Corona-Test.

 

Programm:

 

Donnerstag, 28. 10. 2021

Vortragssaal des LWL-Museums für Kunst und Kultur, Domplatz 10

14.00 Uhr    Begrüßung und Einführung

14.15 Uhr    Alexandra N. Lenz (Wien):
Germanistische Dialektlexikographie im 21. Jahrhundert – Herausforderungen und Perspek­tiven (Keynote)

15.00 Uhr    Ulrich Wenner (Wittenberg):
Von Redensarten, Wetterregeln und Bräuchen. Der Belegteil in den Artikeln des Mittel­elbischen Wörterbuchs

15.30 Uhr    Matthias Vollmer (Greifswald):
Enzyklopädische Angaben in ostniederdeutschen Dialektwörterbüchern

16.00 Uhr    Kaffeepause

16.30 Uhr     Robert Langhanke (Flensburg):
Dichtung als Quelle. Klaus Groth und das Schleswig-Holsteinische Wörterbuch als eine (zu?) fruchtbare Beziehung

17.00 Uhr     Agnes Jäger (Jena):
Verborgene Schätze im Wörterbucharchiv: Morphosyntaktische Nachauswertung am Beispiel von Fragebögen des Thüringischen Wörterbuchs

 

Freitag, 29. 10. 2021

Plenarsaal im LWL-Landeshaus, Freiherr-vom-Stein-Platz 1

9.00 Uhr      Grußwort der LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger

9.15 Uhr      Andreas Gellan / Philipp Stöckle (Wien):
Landeskundliches in der WBÖ-Belegdatenbank – Zugriff und Analysemöglichkeiten

9.45 Uhr       Jacques Van Keymeulen / Veronique De Tier (Ghent):
Onomasiological als semasiological dialect dictionaries for the southern Dutch dialects (Flemish, Brabantic and Limburgian)

10.15 Uhr    Kaffeepause

10.45 Uhr    Andreas Bieberstedt / Christoph Schmitt (Rostock):
Vom gedruckten Wörterbuch zur virtuellen Forschungsumgebung. Digitale Vernetzungs­szenarien dialektaler Großwörterbücher am Beispiel des Mecklenburgischen Wörterbuches

11.30 Uhr    Anne Klee (Trier):
Vernetzungsstrategien zwischen Dialektwörterbüchern – am Beispiel des Trierer Wörterbuch­netzes

12.00 Uhr    Ende des Kolloquiums